Überall ist die Rede vom Klimawandel, der Klimaveränderung oder der Klimakatastrophe. Abstrakt hört sich das an, wenig fassbar für jeden einzelnen, der der Klima nicht exakt beobachtet oder Klimaaufzeichnungen führt. Das Klima ist nie gleich, warme und heisse Sommer wechseln sich mit kühlen und nassen ab, mal sind die Winter kalt, mal schneereich, mal mild, mal nass. Also alles im Gleichgewicht und im grünen Bereich? Mitnichten, meinen wir.
Wirkliche Klimaveränderungen lassen sich deshalb nur über
längere Zeiträume mit sehr exakten Wetterdaten aufzeichnen,
wie sie heute von Tausenden von Wetterstationen weltweit jede Sekunde
und Minute überall registriert werden. Die Daten der
Wetterstationen sind eindeutig - die Temperatur steigt. Dabei spielt es
keine Rolle, ob in einem Jahr in manchen Regionen und zu manchen
Jahreszeiten auch mal tiefere Temperaturen gemessen werden. Dies wird
durch andere Regionen und den Langzeittrend leider mehr als
ausgeglichen. Am globalen Temperaturtrend gibt es keinen Zweifel, es
wird von Jahr zu Jahr wärmer auf unserer Erde, ebenso steigt die
Anzahl der Wetterextreme wie Stürme, Überflutungen,
Dürren, Hagel usw. Dies wird solange so bleiben, bis die Emissionen
von Treibhausgasen, an erster Stelle von CO2, nicht wirklich drastisch
reduziert und nachhaltig durch den Einsatz erneuerbarer Energien wie
Sonne, Wind und Biomasse überflüssig werden bzw. auf ein
Normalmaß reduziert werden.
Da diese detallierten - wenn auch eindeutigen - Wetterdaten dem
Normalbürger kaum zugänglich sind und dieser durch den
häufigen Wetterwechsel leicht dazu neigt, den Klimawandel zu
vergessen und sogar zu ignorieren, seine persönlichen
CO2-Emissionen dabei vernachlässigt, obwohl die Summe der
Emissionen von mehr als 6 Milliarden Menschen sehr wohl einen
gewaltigen Einfluss auf die Zukunft des Klimas hat und damit auch auf
die Zukunft seiner Kinder und Enkel, möchten wir den Klimawandel
hier einmal aus einer anderen Sicht darstellen - aus der Sicht
täglicher Beobachtungen in Natur und Hausgarten.
Denn wenn man mit offenen Augen durch die Natur geht, konnte man in den
letzten Jahren so einiges beobachten, was in der Summe durchaus
nachdenklich macht. Jeder konnte und kann das in seiner Umgebung tun.
Manches mag auf natürliche Schwankungen zurückzuführen
sein, seltene Rekorde, Wetterextreme, jedoch kann von
Zufälligkeiten in der Summe der Beobachtungen die Rede nicht mehr
sein.
Es begann schon in den 90er Jahren, als Deutschland eine Serie
außergewöhnlich milder Winter erlebte, fast schneefrei und
häufig mit Temperaturen um die 10 Grad plus. Das fiel schon auf,
doch dann mit Beginn der ersten Jahre des neuen Jahrtausends gab es
wieder kalte Winter, mit viel Schnee und teilweise auch sehr tiefen
Temperaturen bis minus 20 Grad und darunter. Bis zum Winter 2006/2007,
der so mild war, dass er alle Rekorde brach. Doch dazu später
mehr. Schauen wir uns erst einmal die Rekordsommer 2003 und 2006 an.
Den Sommer 2003 wird wohl niemand so schnell vergessen. Es begann
eigentlich schon im Februar, als sich über Mitteleuropa eine Serie
von Hochs festzusetzen begann, die bis Ende August für
Rekordtemperaturen, eine Rekord-Sonnenscheindauer und eine extreme
Dürre in vielen Teilen Deutschlands sorgte. Die Sonne schien
eigentlich von Ende Februar bis Ende August fast durchgängig,
Niederschläge waren in dieser Zeit ausser in der Alpenregion
extrem selten und der Hobbygärtner musste schon im März
beginnen, seinen Garten zu giessen, damit die Saat keimen konnte und
nicht verdorrte. So auch wir, die wir den täglichen Ganz zu
Giesskanne und Gartenschlauch antreten mussten, damit der Garten
überleben konnte. Den Rasen gaben wir in diesem unsäglichen
Hitzesommer irgendwann auf - es hatte keinen Zweck, er verdorrte
schneller, als man giessen konnte. Die Gemüsesaaten und -pflanzen
mussten täglich gegossen werden, manchmal mehrmals.
Niederschläge gab es so gut wie keine hier in Oberfranken und
anderswo, wenn, dann gab es etwa einmal im Monat einen Platzregen mit
10 Litern, der das Desaster nicht mindern konnte. Das ging soweit, dass
irgendwann auch die Bäume, Sträucher und Hecken so unter dem
Wassermangel litten, dass auch sie gegossen werden mussten, was
normalerweise - außer nach der Pflanzung - nie der Fall ist.
Ab Juni steigerten sich die Temperaturen dann soweit, dass die Hitze so
unerträglich wurde, dass man sich bei diesem Sahara-Klima nur noch
in geschlossenen Räumen aufhalten konnte und eine abkühlende
Lüftung selbst in der Nacht kaum noch möglich war, da die
Temperaturen an vielen Tagen auch nachts nicht unter 20 Grad fielen.
Dazu kam eine permanente Sonneneinstrahlung, die an vielen Tagen zu
Temperaturen weit über 30 Grad führte und zwar an so vielen,
wie es noch nie zuvor auch nur annähernd der Fall war. Die Anzahl
der Sommer- und Hitzetage erreichte einen absoluten Rekordwert, der
bequem mit Mittelmeerklima mithalten konnte. Seit jenem Sommer machen
die Verkäufer von Außenjalousien gute Geschäfte, leider
auch die von Klimaanlagen, welche im Gegensatz zu
Außenrolläden das CO2-Problem noch verschärfen, aber
wer will es dem Büromenschen verdenken, wenn er bei Temperaturen
von über 30 Grad in Innenräumen noch in der Lage sein
möchte, zu denken und annähernd effizient zu arbeiten. Mitte
August massen wir hier mehr als 39 Grad im Schatten, Temperaturen, die
nie zuvor in dieser Region gemessen wurden und seitdem auch noch nicht
wieder erreicht wurden. Wie lange noch, ist hier leider nur die Frage.
Ein ähnliches Szenario erlebten wir im Juli 2006, wenn auch der
Sommer 2006 nicht an den von 2003 heranreichte - gott sei Dank. Viele
alte und schwache Menschen kostete diese Hitze vor allem durch die
extremen Innentemperaturen und die fehlende nächtliche Erholung
das Leben, weitaus mehr, als jede offizielle Statistik ausweist.
Was bedeutete das für die Pflanzenwelt? Natürlich gab und
gibt es Pflanzen, die von solchen Temperaturanstiegen profitieren und
die hiesige Landwirtschaft wird sich umstellen müssen, wenn sie in
dieser Phase langfristig noch erfolgreich sein möchte. Dass
Monokulturen, mineralische Dünger, Pestizideinsatz usw.
Dürreprobleme noch verschärfen, muss an dieser Stelle nicht
weiter diskutiert werden. Im Sommer 2003 konnte man - passend zum Klima
- in Deutschland Obst und Gemüse ernten, dass sonst entweder hier
gar nicht ausreift oder nur einen spärlichen Ertrag bringt. So
gelang uns im Sommer 2003 die Ernte von vollständig ausgereiften
Wassermelonen, einem Obst, das Temperaturen von über 30 Grad
über einen längeren Zeitraum benötigt, um
erntefähige Früchte auszubilden. Desweiteren fuhren wir
Rekordernten bei wärmeliebenden Paprika, Auberginen, Tomaten und
Gurken sein. Einheimisches Gemüse wie Zwiebeln litt hingegen unter
der extremen Hitze und bildete nur kümmerliche Erntekörper
aus.
Nun zum Winter 2006/2007. Alle Wärmerekorde fielen, erst im Herbst
2006, dann im Winter 2006/2007 und dann auch im Frühling 2007. Ab
September 2006 lagen alle Monate zum Teil sehr deutlich (sechs Grad und
mehr) über dem langjährigen Temperaturmittel. Die Natur
reagierte auf die Wärme mit außergewöhnlichen
Phänomenen: Der Winter war nicht nur fast schneefrei, es gab auch
so gut wie kein Eis, in der Gartentonne beispielsweise,
Schlittschuhlaufen auf dem Teich war unmöglich. Balkonblumen wie
Geranien konnten wir bis kurz vor Weihnachten bei Radtouren beobachten,
die fast den ganzen Winter hindurch möglich waren. Im Dezember sah
sich der Löwenzahn zur Blüte veranlaßt. Die letzte
Gurke wurde bei uns im Oktober geerntet, ebenso wie Bohnen und Tomaten.
Kälteliebende Pflanzen wie die Zaubernuss bekamen Probleme mit der
Wärme, warfen vorübergehend die Blätter ab, die
Blüte fiel aus. Dafür erschienen bei unserem mediterranen
Mandelbaum bereits Ende Februar die Blüten und den ganzen
März stand der Mandelbaum in überüppiger rosafarbener
Prachtblüte, wie auf Mallorca. Unser Mandarinenbäumchen
verblieb auf der Terrasse und überlebte den Winter erstmals in
freier Natur, ohne jeden Schutz, ebenso unser Olivenbäumchen, der
Oleander und ein Hammerstrauch (Cestrum). Ein im Herbst frei
ausgepflanzter Feigenbaum, der zuvor jedes Jahr im Kübel stand,
überlebte den Winter ohne jeden zurückgefrorenen Ast und trug
im Spätsommer 2007 viele Früchte. Die Ernte bei Wein war
aufgrund eines Rekord-Aprils 2007 phänomenal gross, genauso wie
ein Rekordertrag von 60 Pfirsichen (6 kg) bei einem Pfirsichbaum, der
erst vor einem Jahr gepflanzt wurde. Mehr als 200 Kiwis wurden 2006
geerntet, auch 2007 hingen ähnlich viele Kiwis an den
Kiwisträuchern. Viele Frühblüher erschienen entweder gar
nicht, wegen fehlender Kälte, oder sehr frühzeitig (z.B.
Tulpen, Narzissen). Im Frühjahr 2007 wurde eine Palme (Hanfpalme)
gepflanzt, der es bisher sehr gut ergeht. Sie dürfte den folgenden
Winter problemlos überstehen.
Fortsetzung Januar 2008: Nachdem die Monate September-Dezember 2007 vergleichsweise kühl abliefen, jedenfalls im Vergleich zum vorangegangenen wärmsten Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, war der Januar 2008 mit etwa 3 Grad Durchschnittstemperatur wieder sehr mild. Die Hanfpalme zeigt bei dieser Wärme keinerlei Kältestress-Erscheinungen und auch eine Passionsblume auf der Terrasse im Kübel hat bisher keine Probleme, ebenso wenig eine ausgepflanzte Feige.
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