Südländische Pfirsiche aus dem eigenen Garten in Deutschland?
Viele schrecken davor zurück und durch die Fachliteratur geistern
immer noch Mythen, Pfirsiche könnte man nur in Südeuropa
anbauen oder aber in Deutschland in Weinbaulagen und ansonsten nicht
höher als 100-200 Meter über dem Meeresspiegel. So
kompliziert ist der Pfirsichanbau nicht, und abgesehen davon, dass es
heute widerstandsfähige Pfirsichsorten gibt, kann man einem oder
mehreren Pfirsichbäumen im Hausgarten einen besonders warmen Platz
geben, etwa vor einer Südwand, in einem Südosteck oder an
einer Hauswand. Da der Pfirsich schmale Blätter hat, kann man ihn
auch mitten in ein sonnniges Gemüsebeet stellen, er wirft nicht
sehr viel Schatten, so haben wir das hier praktiziert.
Tatsache ist, der Pfirsich liebt die Wärme, es müssen
allerdings nicht unbedingt 30 oder 40 Grad sein, so dass man
wohlschmeckende saftige Pfirsiche auch in Deutschland mit gutem Erfolg
und Ertrag anbauen kann. Auch der winterliche Frost macht dem
Pfirsichbaum normalerweise kaum etwas aus. Das einzige Risiko sind
Frost während der frühen Pfirsichblüte sowie Krankheiten
wie die Kräuselkrankheit, bei der sich die Blätter
zusammenrollen und später abfallen. Im Extremfall kann in der
Folge dadurch der ganze Pfirsichbaum absterben. Wir haben das einmal
erlebt mit dem Roten Weinbergpfirsich, den wir in einer
Internet-Baumschule bestellt hatten. Allerdings kam dieser Pfirsichbaum
bereits stark infiziert hier an, wodurch er die Pflanzung nur um wenige
Tage überlebte.
Wir haben dann eine andere Pfirsichsorte gepflanzt, mit der wir und
andere erstaunlich gute Erfahrungen gemacht haben, nämlich die
geschützte Pfirsichsorte "Revita", welche ziemlich
widerstandsfähig gegen die Kräuselkrankheit ist und mit
dieser kaum ernsthafte Probleme hat. Der im Frühjahr gepflanzte
Baum (einjähriger Busch) trug bereits im darauffolgenden Sommer,
also etwas mehr als 1 Jahr nach der Pflanzung, 60 (in Worten: sechzig)
große Früchte mit einem Gesamtgewicht von etwa 6 kg,
möglicherweise auf den sonnenscheinreichen Ausnahmefrühling
2007 zurückzuführen. Die Kosten für den Pfirsichbaum
wurden also bereits nach 1 Jahr amortisiert.
Der Pfirsich blüht früh, er hat wunderschöne
Blüten, die auch im Zierbereich keine Konkurrenz scheuen. Die
meist rosafarbenen bis roten Blüten kündigen eine reiche
Ernte im Sommer (August) an, wenn die Blüte nicht durch
Spätfrost geschädigt wird oder erfriert. 2007 setzte die
Pfirsichblüte bereits Ende Februar ein und erreichte im März
ihren Höhepunkt. Solange die Blüten noch geschlossen sind,
passiert nichts, ebenso nicht, wenn die Befruchtung abgeschlossen ist.
Gefährdet sind eigentlich nur die wenigen Tage zwischen
Öffnen der Blüte und Befruchtung. In diesen Tagen kann ein
Teil der Pfirsichblüte erfrieren, in der Regel ist nie die ganze
Blüte betroffen, da sich die Blüten zeitversetzt öffnen,
jeden Tag öffnen sich andere Blüten. Manche Biogärtner
schützen die Blüte durch Netze etc., wir haben uns diese
Mühe allerdings gespart und 2007 eine reiche Ernte eingefahren,
die, wie eigentlich alle Ernten 2007, früh einsetzte, schon ab
Juli, was sicher mit der fortschreitenden Klimaerwärmung zu tun
hat.
Der Pfirsich ist druckempfindlich. Er sollte nach Erreichen der Reife,
die man daran erkennt, dass er weich wird, schnellstmöglich
verbraucht oder verarbeitet werden. Pfirsiche aus dem Supermarkt werden
normalerweise unreif und noch hart geernet, sie reifen dann im Lager
nach. Allerdings geht das häufig auf Kosten des Aromas und der
Pfirsich beginnt im Lager schnell zu faulen. Daher ist es schön,
selbst Pfirsiche ernten zu können und mit maximalem Vitamin- und
Vitalstoffgehalt direkt zu essen. Der Pfirsich schmeckt am besten roh
und reif, natürlich kann man ihn auch zu Pfirsichkompott für
den Winter weiterverarbeiten oder aber zu Pfirsichmarmelade,
Pfirsichkonfitüre, Pfirsicheis, Pfirsichsaft, Pfirsichpüree
...
Die maximale Reife erreicht man, wenn man wartet, bis die Pfirsiche
herunterfallen, allerdings sollte man das täglich kontrollieren,
denn Pfirsiche sind auch eine Delikatesse für Schnecken, Wespen,
Vögel und andere Tiere. Auch kann der Pfirsich in nassen Jahren
schon am Baum beginnen zu faulen, man sollte dann etwas eher ernten.
Schlechte Stellen kann man wegschneiden und den Rest dann trotzdem noch
essen.
Pfirsiche können durch Stecklinge vermehrt werden oder auch durch
Pfirsichkerne, wobei letzteres länger dauert, aber kein Geld
kostet. Allerdings wird nicht aus jedem gesteckten Pfirsichkern ein
guttragender Pfirsichbaum, aber es ist den Versuch wert. Keine
Pfirsichbäume aus dem Mittelmeergebiet kaufen, die nicht in
Deutschland aufgewachsen sind, die Anpassung an unser Klima ist dann
schwieriger und kann scheitern.
Im biologischen Pfirsichanbau wird natürlich auf jegliche
chemische Keulen auch im Hausgarten verzichtet. Einzige wirkliche
Gefahr ist die Kräuselkrankheit, gute Sortenwahl wie Revita hilft
dabei. Nicht empfehlen können wir die mittlerweile überall
erhältlichen Zwergpfirsichbäume, die im ersten und zweiten
Jahr noch ganz gut aussehen, dann aber wenig Widerstand gegen
Krankheiten haben und keine nennenswerten Erträge liefern.
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